Heiße Angelegenheit auf und neben der Strecke
Text und Fotos: Hubert Lebeau
Der Sachsenring sah das erste Regenrennen in der IDM-Sidecar-Klasse in dieser Saison. Das von den dreifachen Weltmeistern Tim und Tristan Reeves (#36) knapp vor Schlosser/Hänni (#55) dominierte Training hatte noch auf trockenem Asphalt stattgefunden. Deshalb wurden den 24 Gespannteams zwei Einführungsrunden auf der nassen Strecke spendiert, bevor es in das auf 16 Runden verkürzte Rennen ging. An deren Ende hatten die Reeves-Brüder aus England mit 5,8 Sekunden Vorsprung auf die Schweizer Schlosser/Hänni die Nase vorn, aber ein gegen sie eingereichter Protest warf sie am Sonntagabend aus der Ergebnisliste. Der Grund für den Ausschluss: Bei der technischen Nachkontrolle wurde eine Regelwidrigkeit festgestellt. Die Ölauffangwanne war 50 Millimeter niedriger als vorgeschrieben.
Den besten Start hatten Schlosser/Hänni erwischt; sie bogen als Erste in die erste Kurve ein.
Aber noch in der ersten Runde gingen Reeves/Reeves in Führung. In der Folge sorgten zwei gegensätzliche Taktiken für ein spannendes Rennen an der Spitze. Markus Schlosser dachte nach eigenem Bekunden an die Meisterschaftspunkte und setzte in der ersten Rennhälfte auf die Schonung der Regenreifen, um am Ende noch einmal angreifen zu können. Tim Reeves dagegen blies von Anfang an zum Angriff, bekam dafür in der zweiten Rennhälfte, in der die Strecke auch noch zunehmend abtrocknete, die nachlassenden Reifen zu spüren. Schlosser rückte wieder näher heran, aber Reeves rettete mit vielen Slides den Vorsprung ins Ziel. Er fahre gern in Deutschland, sagte er im IDM-Interview nach der Siegerehrung, und er dankte seinen vielen Fans, die er und sein Bruder besonders hier auf dem Sachsenring hätten – noch nicht ahnend, dass gleich darauf ein Protest eingereicht wurde und Schlosser/Hänni den 1. Platz erben würden.
Im Respektabstand hinter dem Führungsduo knüpften Hock/Becker (#3) mit einer weiteren Podiumsplatzierung an die guten Leistungen in den vorherigen drei Rennen an und festigten ihren 2. Platz hinter Schlosser/Hänni in der Meisterschaftswertung. Kurt Hock brachte neben seinem Eigenbaugespann eine neue LCR mit zum Sachsenring und entschied sich schon nach dem freien Training am Freitag, voll auf die neue Karte zu setzen. Über die fünftschnellste Zeit im ersten Zeittraining stürmten Hock/Becker im zweiten Qualifying als Trainingsdritte in die erste Startreihe. Nach dem Rennen begründete der Hesse den Wechsel. Sein selbst konstruiertes Gespann sei zwar immer noch gut für vorderste Plätze, aber sei doch schon ein wenig in die Jahre gekommen. Für künftige Leistungssteigerungen sei die neue LCR in jedem Fall die bessere Ausgangsbasis.
Hock/Becker hatten sich für das Rennen keinen Regen gewünscht, weil sie mit dem neuen Gespann noch keinen Meter im Nassen gefahren waren. Aber sie machten das Beste draus. Nach vorsichtigem Beginn passierten sie die beim Start vor sie gefahrenen Grabmüller-Brüder bald wieder und setzten sich mit zunehmender Gewöhnung sogar ein wenig von den Verfolgern ab. Erst als die sehr engagiert zu Werke gehenden Schweizer Peter Schröder/Anna Burkard (#5) erst Grabmüller/Grabmüller (#97) und dann Centner/Wolfram (#23) hinter sich gelassen hatten, wurde es wieder ein wenig eng für Hock/Becker, vor allem bei den anstehenden Überrundungsmanövern. Aber Hock/Becker behielten die Übersicht und hatten beim Fallen der Zielflagge als letztendliche Zweite einen Vorsprung von knapp sechs Sekunden auf die jetzt Drittplatzierten Schröder/Burkard.
Regenspezialist Wolfram Centner hielt seinerseits Michael und Bernd Grabmüller in Schach. Die schnellen Gebrüder aus Wien hatten nach einem Ausflug ins Kiesbett im ersten Training und einem Motorschaden im zweiten Zeittraining lange auf einen Ersatzmotor warten müssen. Erst knapp zwei Stunden vor dem Start traf das ersehnte Triebwerk im Fahrerlager ein; die Zeit reichte aber noch für den Einbau. Insofern war der fünfte Platz hinter dem Radebeuler Centner ein respektables Ergebnis. Wolfram Centner seinerseits hatte eine arbeitsreiche Nacht hinter sich. Im zweiten Training war ihm auf der Start-Ziel-Geraden der Motor explodiert, wobei ein Pleuel die Ölauffangwanne durchschlug und so für eine dicke Ölspur sorgte. Die aber konnte dank des massiven Helfereinsatzes des Veranstalters so schnell und gründlich beseitigt werden, dass das Training nach dieser Zwangspause zu Ende geführt werden konnte. Centners Gespann hatte kurzzeitig Feuer gefangen uns so musste sein Team in der Nachtschicht nicht nur einen neuen Motor einbauen, sondern das Gespann auch von den Löschpulverresten befreien. In der Schlussphase dieses ereignisreichen zweiten Qualifyings hatten zudem Mike Roscher/Andre Krieg einen Abflug ins Kiesbett zu verzeichnen, der dafür sorgte, dass dieses Team erst gar nicht am Rennen teilnehmen konnte.
Als Nachwuchs-Regenspezialist entpuppte sich im Rennen Neuling Uwe Gürck (#18), der auf dem rutschigen Untergrund mit zunehmender Distanz immer unerschrockener unterwegs war. Vom 16. Startplatz kommend bahnten sich Gürck/Eckert unter anderem an Dodd/Dodd, Zimmermann/Ziegler und Brändle/Helbig vorbei ihren Weg bis auf Platz acht und wurden dafür bei der Siegerehrung mit dem Rookie-Pokal der Interessengemeinschaft Gespannrennen belohnt. Vor ihnen waren der Vorjahresmeister Harald Hainbucher mit Copilot Stefan Trautner sowie Dieter Eilers/Achim Freund auf dem 6. bzw. 7. Platz ins Ziel gekommen. Dazwischen rangierte viele Runden das dunkelgrüne Göttlich-Gespann, bis am Ende der 12. Runde Uwe Göttlich seinen erstmals als Beifahrer agierenden Schwiegersohn Maik Göttlich in der Queckenberg-Kurve verlor. Das Gespann drehte sich; beide blieben unverletzt.
Mit vier ersten Plätzen haben Schlosser/Hänni ihren Vorsprung in der Meisterschaftswertung auf runde 100 Punkte ausgebaut. Auf dem zweiten Rang folgen weiterhin Hock/Becker mit jetzt 73 Zählern. Centner/Wolfram kommen als Dritte auf 52 Punkte vor Schröder/Burkard (50).

 


Platzierung Start-Nr. G = Gaststarter    
1 36 Reeves/Reeves GBR LCR-Suzuki
2 55 Schlosser/Hänni SUI LCR-Suzuki
3 3 Hock/Becker GER LCR-Suzuki
4 5 Schröder/Burkhard SUI LCR-Suzuki
5 23 Centner/Wolfram GER LCR-Suzuki
6 97 Grabmüller/Grabmüller AUT RSR-Suzuki
7 1 Hainbucher/Trautner AUT/GER RSR-Suzuki
8 88 Eilers/Freund GER RSR-Suzuki
9 18 Gürck/Eckert GER LCR-Suzuki
10 7 Brändle/Helbig SUI/GER LCR-Suzuki
11 13 Zimmermann/Ziegler GER LCR-Suzuki
12 17 Dodd Stefan/Dodd David GBR LCR-Yamaha
13 34 Röllin/Burkart SUI LCR /Yamaha
14 65 Steffes/Görlich GER LCR-Suzuki
15 42 Ruppert/Ruppert GER Yamaha R1
16 41 Beart/Wasiak NED/GER RCN-Suzuki
17 51 G Ozimo/Zanarini ITA LCR
18 78 G Dente/Mignogna ITA LCR-Suzuki
19 38 Purtschert/Müri SUI LCR-Suzuki
20 11 Green/Kolloch GBR/GER LCR-Honda
nicht gewertet      
77 Bereuter/Hofer SUI LCR-Swissauto
6 Göttlich/Göttlich GER/SUI LCR-Suzuki
63 G Perrachini/Dalforno ITA  
56 Rutz/Aeberli SUI/GER LCR-Yamaha

 
4. Lauf - Sachsenring
Platzierung Start-Nr.     Punkte 1 2 3 4

1

55

Schlosser/Hänni

SUI

100

25

25

25

25

2

3

Hock/Becker

GER

73

20

13

20

20

3

23

Centner/Wolfram

GER

52

16

10

13

13

4

5

Schröder/Burkard

SUI

50

9

9

16

16

5

97

Grabmüller/Grabmüller

AUT

35

13

11

 

11

6

13

Zimmermann/Ziegler

GER

31

11

6

8

6

7

7

Brändle/Helbig

SUI/GER

31

10

5

9

7

8

1

Hainbucher/Trautner

AUT

29

 

8

11

10

9

17

Dodd Stefan/Dodd David

GBR

27

8

7

7

5

10

88

Eilers/Freund

GER

23

 

4

10

9

11

36

Reeves Tim/Reeves Tristan

GBR

20

 

20

 

 

12

34

Röllin/Burkart

SUI

19

6

3

6

4

13

8

Roscher/Cluze

GER/FRA

16

 

16

 

 

14

18

Gürck/Eckert

GER

15

5

 

2

8

15

65

Steffes/Görlich

GER

13

4

1

5

3

16

19

Kiser/Engelmann

SUI

7

7

 

 

 

17

42

Ruppert/Ruppert

GER

7

2

 

3

2

18

56

Rutz/Äberli

SUI

4

 

 

4

 

19

11

Green/Kolloch

GBR/GER

4

3

 

1

 

20

77

Bereuter/Hofer

SUI

2

 

 

2

 

21

41

Baert/Wasiak

BEL/GER

1

 

 

 

1

 


Quelle: www.idm.de
4. IDM-Lauf 2009 am Sachsenring
Schlosser/Hänni nach Ausschluss von Reeves/Reeves zum Sieger in der IDM Sidecar erklärt
Hohenstein-Ernstthal - 30.750 Zuschauer sahen am heutigen Sonntag (21. Juni 2009) ein reines Regenrennen in der Klasse IDM Sidecar auf dem legendären Sachsenring. Die Briten Tim und Tristan Reeves gingen dabei auf der Strecke als Sieger hervor, wurden aber am späten Sonntagabend nachträglich ausgeschlossen. Damit erbten Markus Schlosser/Adolf Hänni den Sieg und bauten ihre Meisterschaftsführung weiter aus.
Der dreimalige Sidecar-Weltmeister Tim Reeves war auf dem Sachsenring wieder zurück in der IDM Sidecar. Gemeinsam mit seinem Bruder Tristan wollte er wieder in dieser Serie angreifen, nachdem er den Lauf zuvor auf dem Nürburgring zugunsten der Tourist Trophy-Rennen (TT) auf der Isle of Man ausgelassen hatte. In Hohenstein-Ernstthal sicherte er sich die Pole-Position in der IDM Sidecar und war um rund zwei Zehntel schneller als Markus Schlosser/Adolf Hänni. Kurt Hock/Enrico Becker komplettierten die erste Startreihe. Sie sind die Teamkollegen der Reeves-Brüder und traten in Sachsen mit einem fabrikneuen LCR-Gespann an.
Der Start zum Rennen, welches komplett unter nassen Bedingungen ausgetragen wurde, ging ganz klar an Schlosser/Hänni. Aber ihre Führung währte nicht lang. Schon in der ersten Runde gelang Reeves das entscheidende Manöver, um an dem Schweizer Gespann vorbei zu gehen, die Führung zu übernehmen und schließlich bis zum Ziel zu führen. Nach dem Rennen kam am späten Sonntagabend der Wertungsausschluss für die Briten. Die Ölwanne ihres Sidecars unterschritt die festgeschriebene Mindesthöhe um 50 Millimeter.
Somit erbten Schlosser/Hänni im Nachhinein noch den Sieg. Gegen Reeves selbst war im Rennen für die Schweizer auf dem Sachsenring aber kein Kraut gewachsen. Schlosser konnte mit dem vierten Sieg im vierten Rennen seine Tabellenführung behaupten und weiter ausbauen. Außerdem unterstrich er ganz deutlich, dass er der Herr im Ring ist. Schließlich verloren die Zweitplatzierten Hock/Becker nach 16 Runden schon über 50 Sekunden auf Schlosser. Peter Schröder/Anna Burkard holten sich nach dem Nürburgring nun schon ihren zweiten Podestplatz in Folge. Damit war Burkard einmal mehr die beste Frau der IDM-Klassen (im Yamaha R6 Dunlop Cup fuhr Lucy Glöckner allerdings noch auf den zweiten Rang).
Einen Schreckmoment erlebte das Team um Uwe Göttlich. Da der eigentliche Beifahrer des Eibauers, Axel Kölsch, noch immer vom Crash in der Motorsport Arena Oschersleben verletzt ist, wurde kurzerhand Uwes Schwiegersohn Mike Göttlich in das Sidecar gesetzt. Ende der zwölften Runde verlor Göttlich seinen Beifahrer in der Queckenberg-Kurve und drehte sich schließlich. Beide blieben unverletzt.


Bericht Rennen
Clemens Schreiter, idm.de
Schlosser siegt nach Disqualifikation von Reeves
Das IDM Sidecar-Rennen auf dem Sachsenring wurde auf Grund des starken Regens erst nach zwei Einführungsrunden gestartet. Als sich das Feld auf die 21-Runden-Jagd begab, regnete es noch stark. Erst gegen Ende wurde das Wasser von oben weniger, die Strecke trocknete leicht auf und die Rundenzeiten schneller.
Die Briten Tim und Tristan Reeves konnten sich am Start nicht gegen Markus Schlosser und Adolf Hänni (SUI) beweisen, aber schon nach wenigen Kurven tauschten sie wieder die Plätze und Reeves konnte gleich eine Lücke herausfahren. Reeves gab das Tempo bis zum Schluss vor und gewann den Lauf der IDM Sidecars - zumindest vorerst. Bei der technischen Nachkontrolle seines Gespannes wurde eine Regelwidrigkeit festgestellt. Die Ölwanne seines Sidecars befand sich 50 Millimeter unter der Mindesthöhe. Somit wurde das Team disqualifiziert und Schlosser/Hänni erbten den Sieg.
Dahinter sortierten sich Kurt Hock/Enrico Becker, Wolfram Centner/Andy Wolfram und auf Platz vier Michael und Bernd Grabmüller ein. Von hinten arbeiteten sich Peter Schröder/Anna Burkard stetig bis auf den dritten Rang nach vorn.
Auf Position sieben landete zum Schluss der amtierende Deutsche Meister Harald Hainbucher mit Stefan Trautner. Auf Platz acht liegend verlor in Runde zwölf Uwe Göttlich seinen neuen Beifahrer und Schwiegersohn Maik Göttlich. Beide blieben unverletzt. Diesen Platz erbte Dieter Eilers/Achim Freund. Uwe Gürck/Manuel Eckert, Konrad Brändle/Mike Helbig sowie Robert Zimmermann/Maik Ziegler komplettieren die Top 10.

Trainingsbericht
Clemens Schreiter, idm.de
Reeves bricht Dominanz von Schlosser
Die Dominanz des Schweizer Gespanns von Markus Schloss und Adolf Hänni fand am Sachsenring ein Ende – zumindest im Qualifying. Tim und Tristan Reeves (GBR) nahmen ihnen mit 1:28.374 Minuten am Ende 0.128 Sekunden ab und sicherten sich die Pole. Kurt Hock und Enrico Becker mussten sich noch an ihr komplett neues Gespann gewöhnen. Im Laufe der Sessions konnten sie sich immer weiter verbessern und gehen von Startplatz drei ins Rennen. Dadurch rutschten Mike Roscher und Andre Krieg (Großalmerode) auf Position vier und Michael und Bernd Grabmüller (AUT) auf Rang fünf ab.
Peter Schröder und Anna Burkhard (SUI) konnten sich im zweiten Durchlauf nicht verbessern und gehen von Startplatz 6 ins Rennen. Harald Hainbucher und Stefan Trautner (AUT) fuhren sukzessive schneller und landeten auf Rang sieben.
Nach 25 Trainingsrunden brannte das Gespann von Wolfram Centner und Andy Wolfram (Radebeul/ Pörmitz) und sie verteilten auf 150 Meter Öl auf der Start- und Zielgeraden. Trotzdem stand für sie am Ende der achte Platz zu Buche. Robert Zimmermann mit Maik Ziegler (Bad Säckingen/Klinga) sowie Dieter Eilers und Achim Freund (Wiesmoor/Wächtersbach) komplettieren die ersten zehn.


top